Nachruf auf Pfarrer Johann Rehner


1955-2025

Aus der Siebenbürgischen Zeitung vom 15. April 2025 konnte ich entnehmen, dass Pfarrer Johann Rehner im Alter von 69 Jahren in Nürnberg verstorben ist. Pfarrer Rehner war Gemeindepfarrer in Deutsch-Tekes und der letzte Pfarrer, der unsere Kirchengemeinde von 1987 bis zur Massenaussiedlung unserer Landsleute 1990 nach Deutschland betreut hat. 

Hiermit möchte ich Pfarrer Johann Rehner in seiner Vertretungs- und Amtszeit in Schirkanyen ganz herzlich gedenken, und auch etwas über das kirchliche Gemeindeleben der letzten Jahre in unserer Kirchengemeinde bis Frühjahr 1990 berichten.


Im April 1984 siedelt unser letzter Schirkanyer Ortspfarrer Kurt Wolff mit seiner Familie nach Deutschland aus. Dessen Nachfolger wird Pfarrer Hans-Martin Trinnes aus Weidenbach, der als „Pfarrverweser“, Bezeichnung für den Vertreter der kirchlichen Betreuung, die Betreuung unsere Kirchengemeinde übertragen. Pfarrer Trinnes kann durch den guten Bahnanschluss zwischen Weidenbach und Schirkanyen ganz gut in unsere Gemeinde kommen, um den Gottesdienst und andere nötige Amtshandlungen in der Gemeinde durchzuführen. Alle kirchlichen Amtshandlungen im Verlauf des Jahres werden durch ihn abgehalten, wie Taufen, Konfirmation, Trauungen und Beerdigungen. In dessen Amtszeit war Walter Gross Kurator, die beiden Kirchenväter Johann Kirr (Kassier) und Karl Birkner (Wirtschafter).

Im Oktober 1986, in einer Sitzung des Presbyteriums, werde ich von Pfarrer Trinnes zur Aufnahme ins Presbyterium dem Presbyterium vorgeschlagen, und als jüngstes Mitglied des Presbyteriums als Berater und Schriftführer gewählt und am 25. Oktober 1986 offiziell aufgenommen, da ich vorher unterschiedlich aktiv in unserer Kirchengemeinde war, so die lautende Begründung. Am 31.Dezember 1986 zählte unsere Kirchengemeinde laut kirchlicher Statistik 217 Seelen (100 Männer und 117 Frauen). Es gab 4 Geburten, 3 Konfirmanden, 4 Trauungen, 2 Beerdigungen.

Am 24. Mai 1987 wird Pfarrer Hans-Martin Trinnes von unserer Gemeinde, in Anwesenheit der Gemeindevertretung und des Presbyteriums festlich im Pfarrhaus verabschiedet. Er übergibt die Vertretung unserer Gemeinde an den Deutsch-Tekeser Ortspfarrer Johann Rehner, der am 25. Mai 1986 die Betreuung unserer Kirchengemeinde offiziell übernimmt.

Am 25. Oktober 1987 verabschiedet sich Kirchenvater Johann Kirr nach zwanzig erfüllten Tätigkeitsjahren als Kassier vom Presbyterium und von der Gemeinde. Am gleichen Abend wird die Wahl der Gemeindevertretung in der Kirche abgehalten, und am 6. Dezember 1987 wird Ludwig Schüller zum neuen Kirchenvater in sein Amt eingesegnet. Am 20. Dezember 1987 singen angehende Konfirmanden aus Fogarasch in unserer Kirche, geleitet von Pfarrer Heinz-Karl Heinrich. Die Orgel spielt die Organistin Fräulein Melitta Seiwert, beide aus Fogarasch. Am 2. Juli 1988 – Feier des 90. Geburtstags von Altkurator Johann Farsch mit dem Presbyterium im Pfarrhaus.


Ein besonderes Ereignis war am 31. Juli 1988 die Einweihung des Kirchenturms in Deutsch-Tekes, in der Gemeinde von Pfarrer Rehner, mit Bischof Albert Klein. (Das ehemalige Turmdach der Kirche mit Biberschwanzziegeln bedeckt wurde durch ein Kupferdach ersetzt). Dies war ein sehr schöner und festlicher Sommertag mit Gottesdienst in der Kirche, mit gehaltener Predigt von Bischof Klein und anschließend mit einem Festessen in einem kleineren Kreis mit Bischof Klein im Pfarrhaus.

Schon bei meiner Ankunft in Deutsch-Tekes war ich sehr beeindruckt von dem sich zeigenden festlichen Bild dieses Tages. Jeweils sechs bis acht Mädchen und Jungen in Volkstracht Spalier vor dem Kircheneingang stehend und erwiesen jedem der die Kirche betrat die Ehre. Dann in der Kirche, auf der Empore, alte Männer in weißem Kirchenmantel mit schwarzem Filzhut am Kleiderrahmen, hinter ihnen an der Wand hängend. Und dann im Festraum des Pfarrhauses ein großes Bild unseres Reformators Johannes Honterus an der Wand, was mich sehr beeindruckt hat.

Für mich aus Schirkanyen, geographisch jenseits von Alt und Halmagener Wald gelegen kommend, war dieses wunderschöne Fest in der damals noch starken sächsischen Gemeinde ein unvergesslicher schöner sächsischer Festtag, und ohne es vorher zu ahnen und zu wissen, dass es das letzte große kirchliche Fest außerhalb von Schirkanyen vor meiner Aussiedlung im Frühjahr 1990 werden wird. Am 31.Dezember 1988, laut kirchlicher Statistik, hatte unsere Kirchengemeinde 180 Seelen. Durch die anhaltende Aussiedlung von Familien und Einzelner nach Deutschland und durch Sterbefälle wurde unserer Seelenzahl immer geringer, unsere Gemeine immer kleiner, aber gefestigter. Fast alle jüngeren und älteren Mitglieder waren nun in das aktive Gestalten unseres Gemeindelebens eingebunden.

Unser Organist war Hans Kirr, der bis zuletzt im Heimatort seinen Dienst tat. Oft wurde er auch in Vertretung oder aus Mangel an Organisten, in andere Nachbardörfer mit den Pfarrherren mitgenommen. In seiner Abwesenheit, z. B. durch den Wehrdienst, wurde er von Organisten aus Weidenbach, Deutsch-Tekes und einmal von Hermannstadt aus vertreten. Der Kirchenchor und die Blaskapelle hatten Bestand bis 1990, wann sie dann aufgelöst wurden. Ihre Leiter waren Musiklehrer Alfred Farsch (Blaskapelle) und Karl Birkner (Kirchenchor und Blaskapelle).

Am 18. März 1989 gab es die letzte Konfirmation vor 1990 mit vier Konfirmanden: Helge Teutsch, Christian Zall, Christa Tontsch und Gunthard Kirr. Am 15. Oktober 1989 wurde bei den Kirchenwahlen Gerhard Kirr zum neuen Kirchenkurator für vier Jahre nach Kurator Walter Gross gewählt, der von einem Deutschlandbesuch nicht mehr zurück in den Heimatort kam und dieses Ehrenamt musste neu besetzt werden.  Am 22. Dezember 1989 breitete sich die vor Tagen begonnene Revolution auf das ganze Land aus. In einem Rundschreiben von Bischof Albert Klein werden alle Kirchengemeinden aufgefordert still und ruhig zu bleiben, Heiligabend und Weihnachten den Gottesdienst ganz normal zu halten und zu besuchen. Diese Rundmitteilung wurde bei uns über das Nachbarschaftszeichen der vier Nachbarschaften in der Gemeinde bekannt gegeben. Die weihnachtlichen Gottesdienste wurden in gewohnter Form und Gestaltung abgehalten, ohne Störungen und irgendwelche Zwischenfälle. Es sollte für die meisten von uns das letzte Weihnachtsfest in unserer Gemeinde werden.


In der ganzen Zeitspanne, in der wir ohne eigenen Ortspfarrer geblieben waren, waren es an den Feiertagen, wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten Theologiestudenten vom Theologischen Institut aus Hermannstadt, die den Gottesdienst in unserer Kirche hielten, da die Pfarrer in ihrer eigenen Gemeinde dienstlich verpflichtet waren. Es war immer wieder eine schöne Gelegenheit in dieser schweren Zeit des zahlenmäßigen Schrumpfens, neue junge und motivierte Menschen von auswärts im Dorf zu haben und kennenzulernen. Ihre Betreuung an dem Tag fand durch Mitglieder des Presbyteriums statt, die sie nach dem Gottesdienst zu sich nach Hause zum Mittagessen einluden. Es gab auch einen Theologieprofessor, der in unserer Gemeinde war und die Gottesdienstvertretung gerne übernahm. In der politischen Wendezeit im Dezember 1989 kamen Lebensmittel als Hilfsgüter an unsere Kirchengemeinde. Wir Mitglieder des Presbyteriums erstellten Listen mit dem Namen der Empfänger, die den Erhalt des Päckchens dann dort gegenzeichneten, die wir vorher gleichmäßig und gerecht an sie verteilt übergeben hatten.

Pfarrer Johann Rehner ist mir durch unsere vielen Begegnungen in guter Erinnerung geblieben, der immer freundlich und angenehm für uns Schirkanyer da war. Sehr schön fand ich das, dass er als gebürtiger Nordsiebenbürger sich den Tekeser Ortsdialekt in seiner Amtszeit im Dorf angeeignet hatte, der uns Schirkanyern bekannt und angenehm vertraut war. Gott lasse ihn ewig ruhen.

Autor: Hans-Günther Kessler
Mitglied des Presbyteriums von 1986 bis 1990