Erinnerungen aus der Kindheit
Über die Apotheke des Albert Pildner von Steinburg, Magister der Pharmazie und seine Apotheke in Schirkanyen habe ich schon berichtet.
Heute geht es um das landwirtschaftliche Anwesen, Steinburggut genannt bei Fogarasch nach Erzählungen von Eva Huber geb. 1933 in Hermannstadt, als drittes Kind des Walter Friedrich Pildner von Steinburg (geb. 1902 in Schirkanyen) und seiner Ehefrau Eleonore Connerth aus Hermannstadt. Das Anwesen lag links nach der Ausfahrt aus Fogarasch in Richtung Kronstadt. Sie betrieben auf diesem Hofgut eine Landwirtschaft mit 40 Hektar Grund.
Der Großvater von Walter, der auch Apotheker in Fogarasch war, erwarb das Gut als Kapitalanlage. Wann die Häuser erbaut wurden, ist nicht bekannt, aber 1928 stand das alte Wohnhaus, erbaut im Stil eines rumänischen Bauernhauses vom Fuße der Fogarascher Berge.


Walter und Eleonore betrieben das landwirtschaftliche Gut. Walter absolvierte eine landwirtschaftliche Ausbildung in Hohenheim bei Stuttgart. Die Kinder Roswitha geb. 1929, Maria geb. 1931 (verstorben bei einem Unfall auf dem Schulweg 1938), Eva geb.1933, Roland geb.1937 verbrachten eine schöne Kindheit hier. Später kamen auch Frieder geb. 1941 und Astrid geb. 1947 dazu.
Um das Gehöft hatte bereits Evas Großvater Friedrich Albert von Steinburg viele Tannen und Bäume gepflanzt.
Zusammen mit der jungen Familie verbrachte auch Binder Klärchentante, eine gewesene Lehrerin und die unverheiratete Schwester der Großmutter Hermine von Steinburg, geb. Binder manche Tage auf dem Gut. „Hier hoffe ich einmal ein Ruheplätzchen zu finden!“ schrieb sie auf der Rückseite des hinterlassenen Fotos.
Links an das alte Haus wurde 1935 das neue geräumigere Haus angebaut. In kommunistischer Zeit erhielt das Haus eine teilweise Aufstockung, die Bäume drumherum aber wurden gefällt. Nur eine einsame Tanne steht heute noch.


Auf dem Gut gab es zehn Milchkühe mit Kälbern und es wurden neben Kartoffeln und Zuckerrüben auch Mohn und Kümmel angebaut. Die Arbeiten wurden von ungarischen Landarbeitern, später auch von welchen aus Bessarabien stammenden ausgeführt. Diese lebten mit ihren Familien, gewöhnlich drei an der Zahl, in kleinen Wohnungen auch auf dem Gut.
1940 wurde eine neue Remise erbaut, da man mehr Platz für das Vieh und die Lagerung der Ernte und der Landmaschinen benötigte.
Leider ging die schöne Zeit mit Ende des zweiten Weltkrieges zu Ende. 1947 wurde das Gut als Großgrundbesitz enteignet, die Familie fand in einer kleinen Wohnung Platz, bis sie im Sommer 1947 den Besitz endgültig verlassen musste. Hab und Gut war vorher schon teilweise nach Schirkanyen zu den Großeltern väterlicherseits verbracht worden. Der Rest der Möbel wurde auf einen Planwagen geladen und mit dem Traktor, den der Vater steuerte, bis nach Hermannstadt gezogen. Bei den Großeltern Connerth fanden sie eine neue Bleibe. Die älteren Geschwister gingen in Hermannstadt auch zur Schule und die zwei jüngsten kamen mit den Eltern nach Schirkanyen. Hier hatte der Vater als Kämpfer beim rumänischen Militär im zweiten Weltkrieg 5ha Grund erhalten. Die Familie wohnte bei Michael Gross in der Obergasse. Eva arbeitete nach Abschluss des Lyzeums 1948 mit dem Vater auch auf dem Feld. Später musste er zwangsweise in die Kollektivwirtschaft eintreten. Auf der Staatsfarm in Schirkanyen konnte er die Stelle eines Brigadiers antreten.
Nach der Enteignung wurde das Gut in eine staatlich betriebene Farm umgewandelt. Nun arbeiteten hier als Erntehelfer und Tagelöhner viele sächsische Jugendliche aus den umliegenden Dörfern, die sich nach dem Krieg den Lebensunterhalt verdienen mussten. Es wurde nun viel Gemüse angebaut.

Was heute aus dem Gut geworden ist, entzieht sich meinen Kenntnissen.
Krimhild Bonfert
Nach einem Bericht von Eva Huber, geb. Pildner von Steinburg 1933
in Hermannstadt. Sie lebt heute gesund und geistig sehr rüstig und
mitteilsam 93jährig in einem Seniorenheim in Landsberg am Lech.
Fotos privat

