Martin Pfaff als Prediger in Schirkanyen
Geboren am 15. August des Jahres 1899 in Schirkanyen; jüngstes Kind von vier der Schirkanyer Landsleute Johann und Anna Pfaff Nr. 142.
Nach Erfüllung des 6. Lebensjahres besuchte er die Volksschule des Heimatortes ohne Unterbrechung sechs Jahre hindurch. Im September 1911 ging er ins Gymnasium nach Kronstadt; vier Jahre vergingen rasch; im Juni 1915 absolvierte er die Quarta. Die 4 Jahre Seminarstudium umfassten die Zeit von September 1915 bis Juni 1919. Es war die schwere Zeit des Weltkrieges, der Flucht aus dem Jahre 1916, des Zusammenbruchs der Österreich-ungarischen Monarchie und der Beginn der Zugehörigkeit zum neuen Vaterlande – Rumänien.

Im Juli 1919 wurde er in der Heimatgemeinde Schirkanyen provisorisch angestellt, da die Lehrstelle nicht endgültig erledigt war, und erst nach Verlauf eines Jahres konnte er definitiv angestellt werden. Bald darauf folgte die Einrückung zum Militär als einjähriger Freiwilliger. Von November 1920 bis November 1921 stand er unter Waffen. Den größten Teil dieser Zeit verbrachte er in der Offizierschule in Ploiesti, den kleineren Teil beim 89. Infanterie-Regiment in Kronstadt, Călărași und Silistra. Nach Ablegung der Leutnantsprüfung kehrte er heim, wo er bald Katharina Roth, Tochter des Franz Roth Nr.71 heiratete (22. November 1921). Am 21. Dezember 1923 schenkte ihnen der liebe Gott ein Mädchen, namens Selma Katharina; später – zweite Tochter, namens Helga am 24. Mai 1928.
Am 15. Oktober 1924 wurde er vom hochwürdigen Herrn Bischof Dr. D. Friedrich Teutsch als Prediger von Schirkanyen ordiniert.
Nach seiner Internierung und Deportation (Aug. 1944 bis Dez. 1945) zurückgekehrt durfte er nach einer Fortbildung wieder als Lehrer unterrichten. Erst war er in Scharosch und danach in der Schule von Fogarasch, um ab September 1957 bis zu seiner Verrentung 1959 wieder in seiner Heimatgemeinde tätig zu sein.
Die Auswanderung im Januar 1969 führte ihn in die Bundesrepublik nach Freilassing, wo seine ältere Tochter Selma nahe der deutschen Grenze in Österreich lebte. Hier verstarb Lehrer Pfaff am 30. Nov. 1988.
Der „Harr Pradijer“, wie er von allen genannt wurde unterrichtete etliche Generationen von Schirkanyern.

(Dieser Bericht basiert auf Aufzeichnungen aus dem „Gedenkbuch von Schirkanyen“ aufgezeichnet von Rektor Johann Schmid und aus dem Nachlass von Martin Pfaff, der uns von seiner Tochter Helga überlassen wurde.)

