August 2024: Großes Sachsentreffen in Hermannstadt – da wollten wir hin und mit dieser Gelegenheit die alte Heimat nochmals besuchen. In Hermannstadt sollte Quartier bezogen werden und dann sollten Ausflüge in alle Himmelsrichtungen erfolgen.
Die Reise begann sehr verheißungsvoll in einem Kleinbus, sollte sich aber unterwegs anstrengend, umständlich und mit vielen Umwegen verbunden länger hinziehen als geplant. Kurzum wir erreichten dennoch gesund bei herrlichem Wetter und voller Hoffnung unsere Unterkunft im Zentrum von Hermannstadt, nur wenige Gehminuten zum Geschehen auf den Großen Ring. Hier erwartete Ulrike mich, meine Freundin aus vergangenen Tagen, mit Speis und Trank. Die Wiedersehensfreude war groß, denn wir hatten uns etliche Jahre nicht gesehen, nur ab und zu gesprochen. Unser gebuchtes Zimmer bot auch für die Hitze von 30° eine angenehme Kühle und der Reisestress und Müdigkeit waren schnell vergessen.

Für die Tage vor dem Treffen beschlossen wir manche Orte im Sachsenland zu besuchen und ich wollte Ulrike besondere Stätten unserer Heimat zeigen. Da wir aber ohne eigenes Auto nicht so mobil waren, mussten wir uns halt organisieren. Mit einem gemieteten Taxi besuchten wir Mediasch, an der großen Kokel gelegen, wo Pfarrer, Lehrer, Schriftsteller, Schulreformer und Politiker Stephan Ludwig Roth einige Jahre gewirkt hatte und das deutschsprachige Gymnasium seinen Namen trägt. In der Stadtpfarrkirche, der Margarethenkirche, deren schiefer Trompetenturm das Stadtbild beherrscht empfing uns ein Schüler des Gymnasiums, der viel über die interessante Geschichte der Kirche zu berichten wusste.

Die Fahrt ging weiter nach Birthälm in einem Seitental der großen Kokel gelegen und von Weitem sahen wir die imposante, sehenswerte, spätgotische Kirchenburg. Im Jahr 1572 mit Sachsenbischof Lucas Unglerus wurde der Sitz der Bischöfe für 300 Jahre bis 1867 von Hermannstadt nach Birthälm, ehemaliger Marktflecken mit vielen Handelsleuten, verlegt. 1993 wurde die Kirchenburg zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt und ist eine große Touristenattraktion.
Der Rückweg führte durch eine berauschende Hügellandschaft, vorbei an bunten Ortschaften, an Frauendorf mit seiner imposanten Wehrkirche, Reußen mit seinem schiefen Kirchturm, Stolzenburg mit der Burgruine der Fliehburg aus dem 15. Jh., zurück nach Hermannstadt.
Der Dienstag war für Schirkanyen reserviert, da sollten wir auch meinen Bruder und seine Frau treffen. Auf der Europastraße 68 ging es gemütlich in einem 20-Plätze-Kleinbus bis Schirkanyen.

Der Weg führte uns zuerst zum Friedhof, vorbei an unserer Kirche durch die Altgasse, in der mittlerweile die für mich am schönsten renovierten und gepflegten Häuser sind. Leider wurde bei manchen ein befremdender Umbau vorgenommen. Mein Elternhaus in der Altgasse Nr. 230 war fast nicht mehr zu erkennen und lässt keine Heimatgefühle mehr zu. Am Friedhof begleitete uns Albert, ein Ungar, der diesen auch pflegt. Er kümmert sich auch um das Mähen der bewachsenen Gräber, macht Grabsteine vor Umkippen standfest. Mittlerweile beteiligen sich jetzt auch die Ungarn an der Friedhofpflege mit einem Beitrag von 50 Lei pro Jahr für ihr Grab, berichtete er uns. Helfer für das Hacken und Jäten der Stege gibt es kaum.
Natürlich kehrten wir bei Monzi ein. Hier waren wir nicht die einzigen Besucher aus Deutschland. Renate weilte auf Urlaub und dazu kamen noch Lindi mit Sohn Jürgen und Martina. Wir wurden sehr gastfreundlich von Monzi und Tochter Edith empfangen und zu einem köstlichen heimischen Mittagessen eingeladen. Natürlich durfte Kaffee und Kuchen nicht fehlen.
Auf einem Spaziergang durch alle Gassen sollten uns viele unschöne Veränderungen unseres Schirkanyen bewusst werden. Es begrüßten gepflegte und verfallene Häuser, die die Heimat fremd werden lassen. Ich muss leider zugeben, dass diesmal meine Heimatgefühle, die ich immer tief in meinem Herzen trug, verstummt sind. Leider gibt es das Schirkanyen aus der Kindheit nicht mehr. Das Gefühl hatte ich bei keinem meiner vorhergehenden Besuche in der Heimat. Nur die Störche auf den Strommasten sind geblieben und kreisten über unseren Köpfen hinweg.
Aus Fogarasch fuhren wir per Zug in der Abenddämmerung zurück nach Hermannstadt und bewunderten bei Sonnenuntergang die Karpatengipfel der an uns vorbeiziehenden Fogarascher Berge.
Die Tage in Hermannstadt waren durch das vielfältige Programm des Sachsentreffens geprägt. Leider konnten wir nicht alle Angebote des umfangreichen Kulturprogramms wahrnehmen. Hier seien nun einige genannt, die in unserem Interesse standen. Die Eröffnung am Großen Ring mit den Volkstanzveranstaltungen zeigte die Vielfalt der siebenbürgisch Tracht, den Höhepunkt bildete natürlich der Trachtenumzug am Samstag, Ausstellung im Teutsch-Haus, eine Ausstellung gewidmet „800 Jahre Andreanum“, Projektvorstellung Panoramaaufnehmen und Webseite der Kirchenburgen, Filmvorführung auf Brukenthals Spuren, Konzert in der Stadtpfarrkirche „Hexenszenen“, ein siebenbürgisches Melodram von Heinz Acker nach dem „Hexenzyklus“ von Sieglinde Bottesch, Besuch im Astra Freilichtmuseum im Jungen Wald, Platzkonzerte der Blaskapellen. Den Abschluss fand das Treffen mit dem Konzert von Peter Maffay auf dem Großen Ring.

Autor: krbo

